Den „wissenschaftlichen“ und den „physischen“ auf der einen sowie den „orphischen“ und den „instinktiven“ Kubismus auf der anderen Seite.

Unter orphischem Kubismus versteht er die Kunst, „neue Ganzheiten mit Elementen zu malen, die nicht der visuellen Wirklichkeit entlehnt, sondern gänzlich vom Maler erschaffen wurden; er verleiht ihnen eine machtvolle Wirklichkeit.“ Als einer der Ersten beschreibt Apollinaire damit eine vollkommen abstrakte Kunst.

In den wenigen Jahren, die bis zum Ersten Weltkrieg bleiben, versucht er den Orphismus als eigenständige, radikale Avantgarde-Bewegung zu etablieren. Er beschreibt damit keinen einheitlichen künstlerischen Stil, sondern sammelt darunter Werke, in denen sich kubistische, futuristische und expressionistische Ansätze treffen und einer „reinen“, von der figürlichen Konvention befreiten Kunst den Weg bereiten.

Daher werden so unterschiedlich arbeitende Künstlerinnen und Künstler wie Sonia und Robert Delaunay, Paul Klee, František Kupka, Fernand Léger, August Macke und Francis Picabia zu dem ein oder anderen Zeitpunkt als dem Orphismus zugehörig angesehen. Ihre Abstraktion gründet auf der systematischen Auseinandersetzung mit Farblehren, zeitgenössischen naturwissenschaftlichen Entdeckungen und esoterisch-spirituellen Lehren.

Für Apollinaire war die innovative Schlagkraft der abstrakten Werkkonzepte von ebenso großer Bedeutung wie ihre Anbindung an kulturhistorische Traditionen. Dem Orphismus wurde trotz seiner Bedeutung für die Entwicklung der modernen Kunst im 20. Jahrhundert bislang keine umfassende Themenausstellung gewidmet.

Mit der Präsentation „Stimme des Lichts – Delaunay, Apollinaire und der Orphismus“ stellt das Wilhelm-Hack-Museum erstmals diese Keimzelle der Abstraktion in ihren Ursprüngen und Einflüssen vor.

Nach Ausstellungen zum Blauen Reiter, zur De Stijl-Bewegung und zum russischen Konstruktivismus zeigt das Wilhelm-Hack-Museum damit eingehend einen weiteren zentralen Moment in der Frühgeschichte der Abstraktion. Die Ausstellung wird gefördert von der BASF SE.

 

Kuratorin
Nina Schallenberg

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