Die Galerie Lauth präsentiert in der Herbstausstellung das umfangreiche Ouvre der Künstlerin Marlis Albrecht, eine Künstlerin, die sich in den letzten Jahren beeindruckend weiterentwickelt hat. Thematisch fokussiert auf die Bereiche des menschlichen Antlitzes und des Waldes, bewegt sich die Künstlerin noch im Bereich des Figurativen, wobei sie gekonnt den Bogen zwischen vermeintlicher Realitätsspiegelung und purer Imagination spannt.

Die inneren Zustände des Menschen, transportiert in der Physiognomie, machen sichtbar, was Menschen trennt und verbindet, was einen überhaupt als Menschen ausmacht. Die Gesichter kommunizieren unser Innerstes und verbergen es paradoxerweise gleichzeitig. Albrecht nähert sich des dem Menschen und der Natur immanenten Geheimnisses auf eine subtile Weise. In diesem Kontext ist es kein Zufall, dass die Künstlerin auf Wachs als ästhetisches Gestaltungsmaterial zurückgreift. Die malerische Umsetzung der ursprünglichen Kompositionsidee folgt während des Arbeitsprozesses einer eigenen Dynamik, die sich in der untersten Wachsschichtung konturiert, um sich dann im fortschreitenden Malprozess bis an die Oberfläche zu vertiefen.  In dieser Warm- und Kaltwachs Mischtechnik  pinselt und spachtelt Marlis Albrecht mit Pigmenten gefärbtes Bienenwachs in Schichten auf den Malgrund und sie verwendet zusätzlich unterschiedliche Materialien wie Stoffe, Spitzen, Fäden und Papiere. Diese Technik ermöglicht es ihr, komplexe Bildwerke mit reliefartiger Oberfläche und einer besonderen Art der Farbigkeit zu kreieren. „So ist Wachs für mich viel mehr als ein Material – es transportiert Inhalte“ (Marlis Albrecht).

Marlis Albrecht gibt ihren Figuren, meist Frauen, aber auch Männer, Raum. Sie sind allein, zu zweit, in der Gruppe, als Porträt, mit kleinen Accessoires, mit Gesten, aber immer als Hauptdarsteller, denn der Hintergrund bleibt Hintergrund, immer mit Blickkontakt zum Betrachter, immer in Beziehung mit sich oder der Welt da draußen. Albrechts ausdrucksstarke Menschen entwickeln sich aus ihrem Inneren, sind Ergebnis von intensiven Beobachtungen und Erfahrungen. Dabei will Marlis Albrecht bewusst nicht eindeutig sein, sondern hält ihre Bilder in der Schwebe zwischen Realität und Imagination. Ihre Figuren geben nie alles preis, sie bleiben geheimnisvoll, nah und doch fern.

Marlis Albrechts Werke wurden bereits von Museen und Ministerien angekauft.