2015 begann Jean-Louis Schoellkopf in Ludwigshafen am Rhein zu fotografieren. Entstanden ist das vielschichtige Porträt einer klassischen Arbeiterstadt, deren Kultur und Identität bis heute von der ortsansässigen Industrie geprägt sind. Wie stellt sich diese Geschichte im Stadtbild dar? Wie wirken sich struktureller Wandel, Globalisierung oder städtische Bauvorhaben auf den Alltag der Menschen aus? Diese und weitere Fragen liegen Schoellkopfs Arbeit zugrunde, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven zusammensetzt. Neben Stadtlandschaften und Architekturaufnahmen, die unter anderem den urbanen Wandel und die Gentrifizierung einzelner Stadtteile zum Thema haben, stehen die Menschen im Mittelpunkt: Schoellkopf fotografiert sie im Stadtraum oder erstellt Porträtserien, u.a. von Arbeiter/innen der BASF, Kleingärtner/innen oder Bewohner/innen des multikulturellen Hemshof-Viertels.

Seine Aufnahmen sind einem neusachlichen Ansatz in der Tradition von August Sander verpflichtet. Ergänzt wird die fotografische Dokumentation durch Gespräche, in denen die porträtierten Personen von sich, ihren alltäglichen Erfahrungen, ihren Sorgen und Ängsten, Hoffnungen und Wünschen erzählen. Die Fotografien und Gespräche ermöglichen eine Annäherung an Fragen nach unserer Herkunft und der Entstehung von Identität; sie behandeln Begriffe wie Heimat oder kulturelle Vielfalt und beleuchten, inwieweit diese mit einem konkreten Ort und seiner Geschichte verknüpft sind. So fügen sich Bild und Text im Zusammenspiel zu einer komplexen Bestandsaufnahme der (post-)industriellen Stadt.

Im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2018 sind vom 9. bis 30. Juni ausgewählte Fotografien aus dem Projekt in Form von Plakaten und einer Projektion in den Schaufenstern des leer stehenden GAG-Gebäudes in der Bismarckstraße zu sehen. Gezeigt wird eine Serie von Aufnahmen der im Stadtbild allgegenwärtigen Bunker, die auf die Geschichte Ludwigshafens als Stadt mit kriegswichtiger Rüstungsindustrie verweisen. Durch ihre Präsentation in der zentralen Fußgängerzone Ludwigshafens werden die Bilder in das kollektive Bewusstsein der Stadt (zurück-)geholt.

Das Projekt reiht sich ein in die fortlaufende Arbeit von Jean-Louis Schoellkopf, dessen Lebenswerk der Dokumentation des Alltags der europäischen Arbeiterklasse in Zeiten des industriellen Wandels gewidmet ist. Die sozialdokumentarischen Arbeiten des heute 71-Jährigen wurden in Ausstellungen weltweit gezeigt, unter anderem in Barcelona, Rotterdam, Montreal, Paris und Berlin. 1997 nahm er an der documenta X teil. Quelle: Wilhelm-Hack-Museum

 

Ort
GAG
Bismarckstraße 70 – 74

Kontakt
Astrid Ihle
moc.e1529810203m@elh1529810203i.dir1529810203tsa1529810203

Kurator
Astrid Ihle

Unterstützer
WOW – Magazin für Kunst und Kultur
Wilhelm Hack Museum
Kultursommer RLP